Malerin und Filmemacherin Barbara Loftus




Über Land und Wasser | Die zwei Reisen der Familie Basch

Eine Geschichte des Exils, des Zeugnisses und der kreativen Reise einer Tochter

Der Film zeigt die britische Künstlerin Barbara Loftus bei der Arbeit in ihrem Studio bei der visuellen Umsetzung der Lebensgeschichte ihrer jüdischen Mutter. Zuschauer*innen dürfen teilhaben an Nachstellungen und gemalten Erzählsequenzen, die das frühere Leben von Hildegard in Deutschland und als einzige Familienüberlebende im Exil in England noch einmal sichtbar machen.

Für den Film hatte Barbara Loftus neben der aufgenommenen Stimme ihrer Mutter nur einige alte Fotos und eine fast verloren gegangene Briefsammlung zusammentragen können. Dokumente, aus denen herauszulesen- und zuhören war, dass ihre Familie eine ganz normale deutsche Familie war. Was sich nicht zuletzt auch schon in der Namenswahl ihrer Kinder zeigte.

Barbara erfuhr von der Ausbildung ihrer Mutter am Realgymnasium Auguste-Victoria, der ersten Schule in Preußen, die Mädchen den Zugang zu höherer Bildung ermöglichte. Leider musste die noch junge Hildegard Basch ab 1933 ihre Kontakte zu den meisten ihrer nicht jüdischen Freunde abbrechen, weil es für jene "wegen des öffentlichen Drucks nicht akzeptabel war, mit einer Jüdin befreundet zu sein". Was auch bedeutete, dass Hildegards jüdisch sein sie ab sofort von der Gesellschaft und Kultur trennte, die sie doch einst geformt hatte. Und deutsche Juden mussten erkennen, dass es für sie im Dritten Reich keine Zukunft mehr geben und als Alternative nur noch die Auswanderung bleiben würde.

Mutter Hildegard war 1939 eine der wenig Glücklichen, die es noch schaffte, mit 23 Jahren aus Deutschland zu fliehen. Was auch dem Umstand geschuldet war, dass ihr Vater Sigismund einen englischen Geschäftskontakt hatte, der seinen Kindern im Notfall Zuflucht bieten würde. Nur leider erhielt ihr jüngerer Bruder Heinz vor Kriegsausbruch keine lebenswichtigen Genehmigungen mehr und war deshalb zusammen mit seinen Eltern in Berlin gefangen. Am 14. Dezember 1942 wurden die Eltern und der Bruder nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Hildegard erfuhr von diesen Schicksalen erst nach 1945.

In England heiratete Hildegard Joe Loftus, einen englisch-irischen Schreiner und Kommunisten. Die beiden aus dieser Ehe hervorgegangenen Kinder Brain (*1943) und Barbara (*1946) waren deshalb natürlich auch englische Staatsbürger und von Anfang an in die englische Gesellschaft, Sprache und Kultur integriert. Dennoch fühlte sich Barbara immer wieder fremd und nicht zugehörig. Warum sie dieses Gefühl bis dahin nicht getäuscht hatte, wurde ihr ab dem Tag bewusst, an dem ihre Mutter im bereits fortgeschrittenem Alter - und das ganz ohne Aufforderung - urplötzlich begann, über ihre Vergangenheit zu sprechen. Von einer Zeit, die bis vor kurzem noch für Tochter Barbara hinter einer verschlossenen Tür der Stille verborgen war.

Diese Geschichte endet nicht für Barbara. Sie selbst sagt, dass Katharsis für sie eine wichtige Rolle spiele. Es sei für sie eine orphische Reise in ihre Unterwelt und damit der Versuch, die Toten zurückzubringen, die beim eigenen Älterwerden auf sie zurück kommen würden. Sie schätze sich glücklich, eine Stimme für die Belastungen der Vergangenheit ihrer Familie gefunden zu haben. Zur Website der Künstlerin Barbara Loftus |


"Fractured Worlds" ist eine Interviewreihe mit kurzen Beiträgen von Flüchtlingen der ersten und zweiten Generation aus dem nationalsozialistischen Europa.

Die Interviews wurden von Andrew Snell mit Unterstützung von Eileen Hughes gefilmt. So auch das Interview mit Barbara Loftus im Jahr 2019.

Zur Website "Fractured Worlds" | EN


Anbei der Trailer zur Ausstellung im Berliner Stadtmuseum 2013: "Lieder ohne Worte - Bilder der Erinnerung" | "Die Geschichte ihrer Familie, die auch ihre eigene Geschichte ist, trat ihr zunächst in Form des Schweigens, des Verschweigens und Vergessens entgegen - nichts ungewöhnliches für die Opfer. Die Nachkriegsgesellschaften in Deutschland, aber auch in England und Frankreich, waren wenig aufgeschlossen für die Erzählungen der Shoah. Das Trauma der Überlebenden verkapselte sich im Schweigen, das bei Hildegard Loftus erst im hohen Alter sich bruchstückhaft löste."

"Eine kreative Reise beginnt innerhalb der Atelierwände und wird zum Akt der malerischen Wiederinbesitznahme des imaginären Lebens von Familienmitgliedern, die nur durch Fotografien und Briefe bekannt sind." Siehe auch: Barbara Loftus | Kaléidoscope cre-aktiv